Manchmal ist Loslassen das, was Dich frei macht

Vor vier Jahren ließ ich los. Ich war so traurig. Es schüttelte mich und dicke Tränen rannen über mein Gesicht.

Wir fuhren ins Krankenhaus, wo mein Vater auf der Intensivstation im Koma lag.

Es war kurz vor seinem 80. Geburtstag und wir wussten nicht, ob er diesen noch erleben würde. Hier habe ich über diese Zeit geschrieben.

Ich dachte, ich würde ihn zum letzten Mal lebend sehen.

Es zerriss mir das Herz.

Und all das Wissen vom Leben nach dem Tod konnte nichts daran ändern.

Doch dann gab es einen Moment, der mich ganz ruhig werden ließ. Ich weiß nicht mehr genau, wie er zustande kam, doch ich erinnere mich, dass ich noch einmal ganz bewusst losließ.

Ich ließ meine Erwartungen los. Ich ließ los, was sein könnte. Ich ließ alle möglichen Ergebnisse dieser Situation los. Und ich ließ sogar mein Wünsche los.

Ich begab mich völlig in mein Schicksal.

Das heißt nicht, dass ich die Hoffnung aufgab oder meine Schöpfungsmacht. Sondern dass ich dem Höheren Willen den Vorrang gab vor meinem eigenen Willen.

In diesem Moment kehrte Ruhe ein. Die Gefühlswogen glätteten sich und eine übergeordnete Kraft breitete sich in mir aus, wie ein stiller, klarer See.

Ich wusste, es geht nicht um mich. Ich war nur Beobachterin. Ich würde jetzt, hier weiterleben, egal, was geschehen würde. Mein Schmerz wäre mein Schmerz. Mein Kummer wäre mein Kummer. Meine Tränen wären meine Tränen.

Doch ich wusste auch: Meine Liebe würde meine Liebe bleiben. Und die Liebe meines Vaters würde die Liebe meines Vaters bleiben. Sie würde mich nie verlassen. Ich würde mich nie verlassen.

Was auch in der Welt geschehen würde, meine Essenz wäre unantastbar. Unangreifbar. Unzerstörbar.

Durch das Loslassen all meiner Erwartungen erlaubte ich, dass sich in mir Frieden ausbreiten konnte. Ein Frieden, der jenseits aller weltlichen Verlockungen ist. Jenseits von „es ist jetzt so und ich hätte es gerne anders“. Jenseits von Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, wie Glück oder Unglück aussieht oder ob etwas gerecht oder ungerecht ist.

Ein tiefer innerer Frieden jenseits des Rauschens der Oberflächlichkeit. Ich befand mich ganz weit unten in diesem stillen, stillen See, wo kein Aufruhr an der Wasseroberfläche mich in meinem Frieden stören konnte.

Ich wusste, ich bin. Ich wusste, ich werde immer sein. Ich wusste, all-es ist jetzt hier.

Auch mein Vater. Auch er würde immer sein. Ewiges Bewusstsein. Bedingungslose Liebe. Verankert in mir. Getragen von meinen Er-innerungen. Gehalten von meinem Gedenken, meinen Gefühlen, meiner Liebe.

Ich weiß nicht, was meinen Vater veranlasst hat, zurückzukehren. Zu gesunden. Weiter zu atmen und hier und jetzt weiter inkarniert zu sein. Ob mein Loslassen ihn dazu veranlasste, an seinem Leben festzuhalten, es noch einmal zu umklammern und seinen Lebenshauch weiter zu verströmen?

Ich weiß es nicht. Es erscheint mir auch nicht von Bedeutung.

Für mich ist das Gefühl meines inneren Friedens bedeutsam. Allein die Er-innerung daran lässt mich tiefer atmen und mich in meiner Essenz zuhause fühlen.

Das Loslassen aller Erwartungen rund um diese Situation hat mich tiefer zu mir selbst geführt. Und ich begegne meinem inneren Frieden seitdem sehr viel öfter.

Immer, wenn ich alle Erwartungen an eine Situation oder an Menschen loslasse, stellt er sich ein.

Immer, wenn ich mich nicht mehr frage, wie ich zu sein habe oder was ich zu tun habe, damit dieses oder jenes geschehen kann, geschieht das Wunder.

Frieden kehrt ein.

Das Leben entfaltet sich.

Ich lebe mich.

Ich liebe mich.

Und alles, was geschieht, ist.

Wunder-voll. Liebe-voll. Magisch. Frei.

Frieden im Innen und im Außen.

Kein Aufruhr. Kein Konflikt. Kein Ego-Gedöns.

Keine Identifikation mit wasauchimmer. Sondern einfach nur Sein.

Diesen tiefen Frieden wünsche ich auch Dir.

Wenn Du magst, erzähl mir davon.

In Liebe

Sophia

P.S.: Am 3.3. wird mein Vater 84 Jahre alt. 🙂

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